Ein äußeres Feindbild entsteht, wenn komplexe Ursachen, Konflikte oder gesellschaftliche Probleme auf einen klar benannten Gegner verdichtet werden. Der Gegner wird dabei zum Träger des Bösen, während die eigene Gruppe sich als bedroht oder moralisch überlegen verstehen kann. Die Historikerin Silke Satjukow beschreibt Feindbilder als Mittel zur „Reduktion von Komplexität“ und zur Verlagerung des Bösen nach außen.
Historisch finden sich solche Konstruktionen in sehr unterschiedlichen politischen und religiösen Systemen. Beispiele sind:
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Religion: Der Teufel als Gegenbild zum Guten: Das Feindbild der Katholischen Kirche
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Nationalsozialismus: rassistisch und politisch definierte Feindgruppen: Feindbild des Nationalsozialismus
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Kalter Krieg: Kommunismus und Kapitalismus als gegensätzliche Weltbilder: Das Feindbild des Sowjetkommunismus
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Krieg: andere Staaten, Völker und Regierungen als Feindgruppen: Krieg braucht ein Feindbild, Bundeswehr braucht ein Feindbild
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Systemmedizin: Krankheitserreger werden als äußerer Gegner dargestellt werden, der „bekämpft“ werden muss: Der Erreger als Feindbild der Systemmedizin
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Wandelnde Feindbilder: Feindbilder können sich verändern und durch neue Gegner ersetzt werden, wenn das bisherige Feindbild an Wirkung verliert. Entscheidend bleibt die Funktion der äußeren Bedrohung: Das sich wandelnde Feindbild der westlichen Welt
Das Feindbild kann dadurch Orientierung und Zusammenhalt erzeugen, zugleich aber Differenzierung erschweren. Besonders problematisch wird es, wenn aus einem politischen Gegner ein grundsätzlich böser oder unmenschlicher Gegner gemacht wird. Historische Untersuchungen zeigen, dass solche Darstellungen zur Ausgrenzung, politischen Verfolgung und Legitimation von Gewalt beitragen können.
Im Sinne des Spiegelprinzips eröffnet sich eine weitere Betrachtungsebene: Statt ausschließlich nach der äußeren Ursache zu suchen, kann gefragt werden, welche eigenen Ängste, Konflikte oder unerwünschten Anteile auf den Gegner projiziert werden. Das bedeutet nicht, reale Konflikte oder tatsächliches Fehlverhalten zu leugnen. Es bedeutet vielmehr, äußere Ereignisse und innere Selbstreflexion miteinander zu verbinden.
Die Bekämpfung des angeblichen Feindbildes dient auch als Legitimation für das eigene Unrecht. Wer gegen das Böse ist, muss automatisch ins Lager der Guten gehören. Unter dieser Devise wurden Millionen von Menschen vernichtet:
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Opfer der katholischen Kirche
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Opfer des Kommunismus
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Opfer des Nationalsozialismus
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Opfer der USA seit 1776

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Zitate:
Die Historikerin Prof. Dr. Silke Satjukow beschreibt das wie folgt:
Wir brauchen in den Gemeinschaften Werte, die wir für richtig erachten. Und wir brauchen das Gegenstück dazu: Wir brauchen die hinter dem Zaun, 'die Anderen', denen man alles Böse zudichten kann. Das heißt, man braucht Feindbilder zur Reduktion von Komplexität, und man braucht Feindbilder, um das Böse in der eigenen Gemeinschaft nach draußen zu verlagern.
Siehe auch: