Das Ego wird häufig nur als etwas Negatives verstanden: als Hochmut, Selbstbezogenheit oder übertriebene Selbstbehauptung. In diesem Zusammenhang lässt es sich jedoch auch als eine Art psychischer Schutzraum betrachten. Das Ego schafft Grenzen zwischen dem eigenen Inneren und der Außenwelt und kann dadurch einen Raum sichern, in dem sich das innere Kind entfalten, Erfahrungen machen und eigene Bedürfnisse ausdrücken kann.
Gerade Menschen, die lange Zeit zu viel toleriert haben, können diesen Aspekt erleben. Wer ständig versucht, andere zufriedenzustellen oder aus Angst vor Verlust keine Grenzen setzt, verliert möglicherweise zunehmend den Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen. Eine gesunde Abgrenzung kann deshalb nicht Ausdruck von Egoismus sein, sondern Selbstschutz und Voraussetzung für persönliche Entwicklung:
-
Raum schaffen: Eigene Bedürfnisse, Interessen und Gefühle wahrnehmen und ihnen Ausdruck ermöglichen.
-
Grenzen setzen: Nicht alles tolerieren, nur um Beziehungen oder Anerkennung zu erhalten.
-
Das innere Kind schützen: Verletzliche, kreative und spielerische Anteile nicht ständig den Erwartungen anderer unterordnen.
-
Ego bewusst einsetzen: Selbstbehauptung soll einen geschützten Entwicklungsraum schaffen, nicht andere Menschen beherrschen.
Der entscheidende Unterschied liegt zwischen Selbstschutz und Selbstüberhöhung. Das Ego kann eine Grenze bilden, hinter der Entwicklung möglich wird; problematisch wird es, wenn diese Grenze zur Mauer gegen jede Kritik, Verantwortung oder Beziehung wird. Dann schützt das Ego nicht mehr das innere Kind, sondern beginnt, es zu kontrollieren.
Persönliche Entwicklung bedeutet damit nicht, das Ego vollständig abzuschaffen, sondern seinen Schutzraum so zu gestalten, dass das, was im eigenen Inneren nach Ausdruck sucht, wachsen kann.

Siehe auch:
Weblinks: