Als Wendetrauma werden die psychischen und sozialen Belastungen bezeichnet, die bei manchen Menschen in Ostdeutschland durch die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche von 1989/90 und deren Folgen entstanden sind. Dabei geht es nicht um eine einheitliche Erfahrung aller Ostdeutschen, sondern um unterschiedliche Formen von Verlust, Entwertung und biografischem Bruch.
Bereits die DDR-Zeit war für viele Menschen mit Anpassungsdruck, Überwachung, beruflichen Einschränkungen oder politischer Verfolgung verbunden. Für unmittelbar Betroffene konnten Haft, Verhöre und Repression langfristige psychische Folgen hinterlassen.
Mit der Wiedervereinigung veränderte sich das Leben vieler Ostdeutscher innerhalb kürzester Zeit grundlegend. Arbeitsplätze und Betriebe verschwanden, berufliche Qualifikationen wurden teilweise nicht mehr anerkannt und gewachsene soziale Strukturen lösten sich auf. Manche Menschen erlebten ihre bisherige Lebensleistung und Biografie als abgewertet oder nicht mehr erwünscht.
So konnten sich bei Betroffenen unterschiedliche Erfahrungen überlagern: die Belastungen der DDR-Zeit, die plötzliche Veränderung der Lebensumstände und das Gefühl, mit der eigenen Geschichte nicht ausreichend gesehen oder anerkannt zu werden.
Das Wendetrauma beschreibt daher weniger ein einzelnes Ereignis als einen länger andauernden Prozess. Gefühle von Verlust, Kränkung, Unsicherheit, Misstrauen oder Entwurzelung können dabei über Jahre fortbestehen und teilweise auch die nachfolgenden Generationen beeinflussen.
Eine Auseinandersetzung mit diesem Thema bedeutet weder eine Verklärung der DDR noch eine Ablehnung der Wiedervereinigung. Sie soll vielmehr Raum für die unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen schaffen, die mit dem Ende der DDR und der deutschen Einheit verbunden sind.

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