Die Parallaxe bezeichnet bei Slavoj Žižek eine Differenz zwischen zwei Perspektiven, die denselben Gegenstand betrachten, ohne dass sich beide Perspektiven vollständig zu einer gemeinsamen Sichtweise vermitteln lassen. Durch die gegenseitige Sichtweise eröffnet sich – wie bei der Polarität – ein Parallaxenspalt, der den eigentlichen Raum für Leben und Erkenntnis aufspannt.
Der Begriff stammt ursprünglich aus Optik und Astronomie: Verändert sich der Beobachtungsstandpunkt, erscheint ein Gegenstand verschoben, obwohl er sich selbst nicht bewegt hat. Philosophisch wird daraus die Frage, ob der Unterschied zwischen den Perspektiven lediglich ein Wahrnehmungsfehler ist oder zur Struktur des betrachteten Gegenstands gehört.
Für die Wahrheitsfindung lässt sich das an verschiedenen Gegensätzen verdeutlichen:
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Politik: Sicherheit und Freiheit können dasselbe Problem aus unterschiedlichen, teilweise miteinander spannungsreichen Perspektiven beschreiben.
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Psychologie: Selbstbild und Außenbild erfassen unterschiedliche Seiten derselben Person.
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Erkenntnis: Wissenschaftliche Erklärung und religiöse Sinngebung verwenden unterschiedliche Kriterien für „Wahrheit“.
Unbewusste Schöpfung erzeugt den Parallaxenspalt und damit scheinbar unvereinbare Gegensätze. Persönlichkeitsreife erkennt darin zwei Seiten einer Medaille, integriert beide Perspektiven und verwandelt den Spalt in einen Raum für Erkenntnis und Entwicklung. Beispiele für solch unbewusste Schöpfung von Gegensätzen und Parallaxenspalten sind:
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Der Aufgewachte schafft den Nichtaufgewachten: Wer sich selbst als „aufgewacht“ erkennt, erzeugt unbewusst die Kategorie der „Schlafenden“, von denen er sich unterscheidet.
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Der Gute schafft den Bösen: Wer sich stark mit dem Guten identifiziert, braucht unbewusst einen Gegenpol, an dem das Böse sichtbar wird.
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Der Wissende schafft den Unwissenden: Die Identifikation mit Wissen erzeugt die Gegenposition desjenigen, der „noch nicht erkannt hat“.
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Der Freie schafft den Unfreien: Wer sich als frei versteht, kann andere als abhängig, manipuliert oder unfrei wahrnehmen.
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Das Opfer schafft den Täter: Die eigene Identität als Opfer kann den anderen dauerhaft in die Rolle des Täters festschreiben.
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Der Reine schafft den Unreinen: Die Identifikation mit moralischer oder geistiger Reinheit erzeugt einen Gegenpol, der diese Reinheit scheinbar bedroht.

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